Die morgendliche Sonne durchflutete den Nadelwald mit ihrem gelb-orangenen Licht, während ich mich zurecht machte. So eine schöne Stimmung, um in den Tag zu starten. Kurz bevor ich losging, machte ich ein paar Dehnübungen. Während ich da so stand und mich verbog, näherte sich mir ein Mann. Er war kein Wanderer, sondern ist mit seinem Auto an den Platz herangefahren, um zu Zelten. Als er auf halbem Weg zu mir war, fragte er mich: „Wanna get a quick shot of Whiskey before heading out?“ und hob das Glas dabei vor sich. Ich lehnte dankend ab. Ich konnte jetzt keine Kopfschmerzen und schwummrige Sicht gebrauchen. Der Trail fordert meine einhundertprozentige Konzentration und außerdem trinke ich nicht. Er machte auf dem Absatz kehrt und kippte sich lachend das Gesöff in den Rachen. Schmunzelnd ging ich meines Weges.
Die Aussichten suchten vergeblich ihres Gleichen. Es waren zwar nur noch fünf Meilen bis zum Highway 2, an welchem ich versuchen wollte in die Stadt zu kommen, doch die Natur ließ mich heute noch einmal immer wieder staunend stehen bleiben. Beautiful country. Beautiful mountains.





Dann gelangte ich an die Straße. Ich hatte mega großes Glück. Von dem Trail aus konnte ich drei Wanderer erspähen, die auf Autos warteten. Als ich dann näher kam, stiegen sie gerade in einen weißen Pick Up Truck ein und fuhren los. Ich fuchtelte wild mit meinen Stöcken in der Luft herum und versuchte auf mich aufmerksam zu machen. Der Fahrer bemerkte mich. Er hielt und als ich näher kam, durfte ich einsteigen und mitfahren. Im Auto saßen im Übrigen Nathan, Mary und ihr Freund Jenson aus Quebec.

Wir fuhren nach Wrightwood zum Hardwarestore, wo es alles Mögliche an Outdoorequipment gab. Nach dem Eintragen in ein Logbuch bekam ich einen Pin mit dem PCT-Emblem. Ich steckte diesen sofort an meinen Rucksack.
Ich habe für uns vier ein Quartier versorgt. Es gab eine Liste mit Train Angel Familien, die Hiker aufnehmen. Ich rief ein paar an und schließlich rief mich ein älterer Herr namens Leroy zurück. Er holte uns nach einer Viertelstunde ab. Er und seine Frau bewohnen gemeinsam ein geräumiges Haus. Nach dem Auszug der fünf Kinder beschlossen sie, den verfügbaren Raum anderweitig zu nutzen. Und so wurde eine neue Trail Angel Familie geboren.

Wrightwood ist ein recht schönes kleines Städtchen mit vielen Apfelbäumen und Holzhäusern. Es gibt nicht viel, aber das Nötigste findet man. Man ist sehr offen und freundlich Wanderern gegenüber. So gibt es beispielsweise im Supermarkt Cliff Bars und andere Snacks gratis, wenn man PCT Wanderer ist. Das hat mich echt umgehauen.




Ich bezog mit Nathan ein Zimmer. Jeder hatte sein Bett, ich konnte meine Sachen waschen, meine Elektronik laden und duschen. Wir besorgten uns zwei riesige Wassermelonen und löffelten jeder eine Hälfte aus. Dann redeten wir bis in den späten Abend und tauschten Geschichten von unseren letzten Abenteuern aus.
