Nur noch sieben oder acht Meilen bis zur Straße und damit bis nach Ridgecrest, wo endlich meine Füße heilen würden. Das Laufen in Flip Flops bereitete mir zunehmends Schwierigkeiten. Trotzdem genoss ich die Natur und vor allem die Gebirgszüge, die sich vor mir auffalteten.

Ich folgte recht lang einem staubigen Feldweg, ehe mich der Trail langsam nach unten führte. Und ich spürte, wie die Hitze mehr und mehr zunahm. Meine Motivation in den Flip Flops zu wandern ging mehr und mehr dem Keller entgegen. Vierzig Meilen ziehen nicht einfach mal spurlos an einem vorbei. Es war wirklich hart, doch manchmal muss man bestimmte Dinge einfach aushalten können. Und wenn man glaubt, man kann es nicht, muss man eben lernen es auszuhalten. Draußen in der Wildnis ist man viel auf sich gestellt. Es gibt keinen Arzt um die Ecke, oder einen Supermarkt, falls man merkt, dass einem das Essen zu früh zur Neige geht. Es gibt nur die Natur, die grobe Fehler nicht verzeiht.







Dann kam ich an der Straße an. Dort gab es eine Art Lager. Ein großer Tisch, der von einer Plane überschattet wurde. Dort setzte ich mich. Vor Ort war schon Short Notice, die Frau aus Kanada. Es ist ihr unterwegs zu viel geworden und sie hatte Glück, da ein Auto auf einem selten befahrenem Feldweg vorbeifuhr und sie bis nach Walker Pass brachte, also die Straße, die direkt angrenzte.
Ich lernte Joy kennen, eine echt verrückte Frau in den Vierzigern (Fünfzigern?). Sie lebt zusammen mit ihrer kleinen schwarzen Katze in der Nähe von Walker Pass in einem kleinen Tipi. Ihr Auto, mit dem sie Wanderer gegen eine kleine Gebühr in die Stadt fährt, war total bunt. Über und über mit Dingen verziert. Ich staunte über diese Kreativität. Die Anderen trafen nach mir ein, da sie einen kleinen Umweg einschlugen, um Wasser zu holen. Ich hatte jedoch genug und außerdem wollte ich jede extra Meile vermeiden.

Nach netten Gesprächen und etwas Essen ging es für Joy und fünf (!) von uns nach Ridgecrest. Irgendwie haben wir uns in den kleinen Viertürer hineingequtetscht. Wirklich verrückt. Anschnallgurte gab es natürlich keine. Die Katze fuhr mit. Sie hatte ein kleines Körbchen, durfte jedoch frei umherspazieren. Wir sollten lediglich aufpassen, dass sie Joy nicht beim Fahren stört.

Das junge Tier tat mir irgendwie leid. Die Katze machte keinen guten Eindruck während der Fahrt. Als wir nämlich in die Ebene fuhren, war es wieder locker fünfunddreißig Grad heiß. Die Landschaft kochte und in der Sonne fühlte es sich an, als wäre es mehr als vierzig Grad warm.




Wir stoppten für etwas Marihuana. Joy wollte es und so kochten wir noch etwas vor uns hin, während wir warteten.
Dann erreichten wir Ridgecrest und ein Motel. Ich teilte mir mit dem Paar aus Quebec und mit Nathan einen Raum. Völlig kaputt ließ ich mich auf das weiche Bett fallen. Ich hatte es geschafft. Eine Reise mit Flip Flops vierzig Meilen durch die Wüste. Der Zustand meiner Füße sprach Bände.

Heute passierte etwas in Ridgecrest, was ich mir im Leben nicht ausgemalt hätte. Ein Erdbeben der Stärke 6,4 trat nahe der Stadt auf und ließ den Boden unter meinen Füßen erzittern. Ich hatte derartiges noch nie erlebt. Wir rannten aus dem Gebäude und sahen uns panisch um. Ich konnte die Ampeln schaukeln sehen. Sie wippten hoch und runter. Feuerwehreinsätze, Polizei und Krankenwagen. Das volle Programm. Kurz danach kamen noch leichtere Nachbeben.
Am Abend gingen wir dann trotzdem noch zu einem chinesischen Restaurant. Ich bestellte mir ein Gericht mit Tofu, Nudeln und Gemüse. Es wurde auf meinen Wusch hin vegan gemacht. Es schmeckte fantastisch.


Von links vorn im Uhrzeigersinn: OhYeah, Shitbag, BacktoBack, Richard und Mary, Greener (ich), Joy, Robb, Nathan, Short Notice, Ms. Frizzle und Huck.

Was für ein Tag!