Halb drei Uhr morgens erwachte ich inmitten von Dunkelheit. Ich wusste nicht so recht, was der Auslöser dafür sein mochte, doch meine Augen hatten sich so sehr an die Schwärze der Nacht angepasst, dass der Sternenhimmel die Umgebung schwach zu beleuchten schien. Und dann realisierte ich es. Die volle Pracht unzähliger Lichtpunkte über mir überwältigte mich derart, dass ich einfach nur dalag und mit offenem Mund empor sah. Die Weiten des Alls schienen sich mir zu offenbaren.

Die Milchstraße zog sich wie ein schlierenhafter Nebel durch das Sternenmeer. Mir wurde klar, wie klein wir doch sind, so unendlich winzig in der unvorstellbaren Größe des Universums. Während ich gebannt nach oben sah, bemerkte ich die Stille um mich herum. Kein Vogel zwitscherte, der Wind verebbte bereits vor Stunden. Ich hörte einzig und allein meinen konstanten Atem. Eine beängstigende Leere. Ein Mensch allein im Nichts.
Als ich wieder erwachte war die Sonne bereits kurz vor dem Erscheinen. Die Nacht war ziemlich kalt und mein Schlafsack feucht, ja regelrecht nass von Außen. Beim Einpacken fuhr ich wie vom Blitz getroffen zusammen, als ein lautes Geräusch ertönte, gefolgt von einem dumpfen Aufprall. Ich dachte dabei an brechendes Astwerk. Vielleicht war gerade ein Baum umgestürzt, oder näherte sich mir ein Bär aus den Tiefen der Wälder? Ich wusste es nicht und hatte auch keine Lust es herauszufinden, also machte ich mich auf die Socken und entschied mich dazu, mein Frühstück etwas später zu mir zu nehmen.


Ich traf wieder auf den Kern River, er schlängelte sich durch die grasbewachsene Ebene und reflektierte die Morgensonne. Nebel stieg von der Wasseroberfläche empor. Eine Holzbrücke spannte sich über ihn und darunter flogen dutzende Vögel hin und her und zwitscherten aufgeregt. Große Fische schwammen gegen die Strömung, vermutlich auf Futtersuche. Das alles beobachtete ich voller stiller Faszination.


Ich traf drei nette ältere Wanderer, die gerade erst ihre Sachen einpackten und unterhielt mich mit ihnen, während ich mir etwas Wasser erhitzte, um meine kühlen Glieder aufzuwärmen. Ich bereitete mir ein Müsli zu und genoss die Wärme, die meinen Magen füllte. Zwei Männer und eine Frau, vermutlich Ende Vierzig. Die Frau bot mir ein paar Snacks an, doch ich musste ablehnen, da diese tierische Bestandteile enthielten. Daraufhin bot sie mir einen Apfel an, den ich voller Dankbarkeit entgegennahm. Es fühlte sich an wie Weihnachten, so sehr vermisste ich manchmal Frischkost. Bevor sie ging, bekam sie etwas Knoblauch zum Kochen im Gegenzug. Diesen hatte ich noch in der Hosentasche stecken.

Dann ging es weiter. Vor mir lag ein harter Anstieg, doch die meiste Zeit folgte ich einem schattigen Flussverlauf. Überall gab es Mücken. Sie stachen mich sogar während des Gehens. Deshalb war an Pausen nicht zu denken. Das Gewicht des Rucksacks fühlte sich wie eine Tonne an. Schweißgebadet und außer Atem kam ich irgendwann an die höchste Stelle, bevor der Trail wieder abfiel.



Oben angekommen klärte sich mein Blick und ich konnte in der Ferne schneebedeckte Gipfel erkennen und hoffte, dass es nicht ganz so schlimm verschneit sein würde.

Ich kam in einen Wald, der wie aus einem Märchen entsprungen schien. Die alten Bäume waren teils extrem verkorkst, doch trotzdem anmutig anzusehen. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus und hielt immer wieder an, fasziniert und geblendet von der Schönheit, die die Natur zu bieten hatte. Natürlich gewachsene Skulpturen.





Nach einer großzügigen Mittagspause unter einem gewaltigen Baum traf ich einen netten Wanderer. Er erzählte mir, dass er aus Belgien stamme. Und so entwickelte sich eine Unterhaltung. Wir sprachen über einige Themen, wie: Amerika und Stereotypen, unser Abenteur, dass wir gemeinsam teilten und schließlich über Beziehungen. Er hat eine Freundin in Belgien, die sehnlichst auf ihn wartet und er wirkte glücklich über die Entscheidung, dass sie sich doch nicht vor der großen Reise trennten. Ich freute mich für ihn. Es ist ein wunderschönes Gefühl, wenn man vermisst wird und sich auf einen Menschen, der einem wichtig ist, freuen kann. Auf einer hellgrünen Wiese sahen wir ein großes pelziges Geschöpf. Etwa ein Murmeltier? Da war ich mir nicht ganz sicher. Kurz darauf gelangten wir zu einer Wasserstelle. Die Mücken umschwärmten mich und mir war klar, dass ich weiter wollte, bevor mich die Biester bei lebendigem Leib fraßen.





Leider wollte der Belgier hier anhalten und kampieren, für mich jedoch ein Ding der Unmöglichkeit, ich hatte bereits genug Stiche abbekommen. Daher trennten sich unsere Wege und wir schlugen noch einmal ein, bevor ich mich aufmachte. Ich hoffe wir sehen uns irgendwann wieder. 🙂



Ich erreichte meinen Zeltplatz und machte mein Hörbuch laut an, um mir beim Essen die Zeit zu vertreiben. Es war ein herrlicher Abend und es gab sogar eine kleine Höhle, oder mehr eine Felsspalte. Doch diese Nacht schlief ich in meinem Zelt, da selbst hier oben Mücken auf mich warteten.


