Tag 55

Kurz nach dem Aufstehen blickte ich auf die Berge in der Ferne, die langsam von der aufgehenden Sonne in orangenes Licht gehüllt wurden. Die Zeit hier draußen vergeht ganz anders. Ich weiß meistens nie, welches Datum oder welchen Wochentag wir gerade haben. Es macht keinen Unterschied, ob nun gerade Sonntag ist, oder Montag. Die Natur kennt kein Wochenende. Mir fielen dadurch die Konstrukte auf, die die Menschen erschufen und Wirklichkeit nannten. Ich orientiere mich viel an dem Stand der Sonne. Ab und zu schaue ich trotzdem auf die Zeit, beispielsweise um meinen Tag zu planen.

Ich hatte recht gute Aussichten. Es tat gut, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen und den Augenblick voll und ganz zu genießen. Ich war immer noch allein und hatte auch nicht die leiseste Ahnung, wie lange das noch so bleiben sollte. Ich musste eine Menge Zeit mit mir verbringen. Mit mir und der Natur. Gar keine schlechte Kombination, wie mir schien.

Mittags wurde es verdammt warm. Auf mehr als 3000 Meter eine krasse Leistung, die die Sonne da ablieferte. Und nach gut zwei Stunden Siesta brach ich auf.

Der Weg war durch das viele Schmelzwasser überall regelrecht durchtränkt. Mücken waren an jeder einzelnen Stelle vorhanden und flogen gierig auf meine ungedeckten Körperstellen. Ich dachte mir, dass ich mir dringend ein weites Hemd gegen die Tiere besorgen sollte. Und ich wollte definitiv mehr Gerichte zum Warmmachen. Immer kalt zu essen war für mich nicht das Wahre.

Mein Zelt schlug ich in Rekordgeschwindigkeit auf, da es so viele Mücken gab, dass ich dachte, dass sie mich blutleer saugen würden, wenn ich nicht schnell genug handeln sollte. Ich fühlte mich ein wenig einsam vor dem Einschlafen. Ich hörte ein wenig mein Hörbuch, um mich abzulenken. Doch morgen sollte meine erste Flussüberquerung auf mich zukommen. Daher wollte ich zeitig raus, um das zusätzliche Schmelzwasser zu vermeiden, was sich während des wärmer werdenden Tages bildet und die Ströme speist.

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