Heute wollten ich und Trouble nach Bishop um uns auszuruhen und einzukaufen. Dazu mussten wir jedoch ersteinmal aus den Bergen herauskommen, was kein leichtes Unterfangen war, denn es gab keine asphaltierten Straßen in der Nähe. Doch es gab einen Weg, den Bullfrog Lake Trail, der über den Kearsarge Pass zu einem Parkplatz raus aus den Sierras führte. Also machten wir uns auf.



Der Anstieg vor der Abzweigung zum Bullfrog Lake Trail war steil und anstrengend. Als ich endlich an der Weggabelung ankam, traf ich auf drei nette Leute. Ich setzte mich zu ihnen, denn ich musste ersteinmal verschnaufen. Wir unterhielten uns etwas und als ich sagte, dass ich sehr wenig zu Essen hatte, gaben sie mir etwas veganes Essen ab. Das freute mich riesig, denn der Trail würde noch einmal einen halben Tag in Anspruch nehmen. Etwas später kam auch Trouble dazu. Während er sich unterhielt, sah ich etwas großes keine zwanzig Meter weiter. Mein erster Schwarzbär. Ein richtiges Kraftpaket. Ich rief den Anderen zu, dass ein Bär durch die Wiese auf der anderen Seite streifte und als sie ihn auch sahen, rannte er bereits über den Hügel und verschwand in den Bäumen. So sollten Begegnungen mit solchen Tieren aussehen. Aber ich wusste, dass es auch anders kommen konnte.

Auf dem Bullfrog Lake Trail passierten wir wunderschöne Bergseen, die in der Sonne glitzerten. Die Landschaft war schöner als ich es erwartete und die mich umringenden Berge und Seen machten den Umweg um ein Vielfaches wieder wett. Trotzdem war der Weg rauf auf den Kearsarge Pass alles andere als einfach. Es wurde gegen Ende so steil, dass mir die Beine brannten und das Atmen zur Tortur wurde. Es waren viele Tageswanderer und junge Pfadfindergruppen unterwegs. Auf dem Pass angekommen unterhielten wir uns mit einer jungen Frau, die noch auf ihren Vater wartete. Sie hatte bereits alle drei großen Wanderungen in den USA gemacht. Den PCT, den CDT und den AT. Das machte sie zum Triple Crowner – also drei Kronen für drei Fernwanderwege. Ich fand das mega beeindruckend.





Der Abstieg gestaltete sich problemlos und wir waren rasend schnell an einem Parkplatz. Etwa zwanzig Minuten später kam ein Tageswanderer den Pass herunter und ging zu seinem Wagen. Wir fragten ihn, ob er uns in die nächste Stadt mitnehmen könne und das tat er auch. Im Auto unterhielten wir uns etwas. Er arbeitete als Physiker und Chemiker in irgendeiner Branche. Sehr interessant. Wir verließen die hohen Berge und fuhren in die Wüste hinunter. Ich staunte über den krassen Übergang und die Temperaturen stiegen auf knappe vierzig Grad an. Während hier unten die Wüstensonne brannte, konnte man schneebedeckte Gipfel sehen. Was für ein Kontrast! Er ließ uns an einer Tankstelle in Independence, einem kleinen Kaff mitten im Nirgendwo, heraus. Von dort versuchten wir in der Hitze an der großen Straße nach Bishop zu trampen. Ich besorgte mir vorher aus dem Tankstellenladen kühles Kokosnusswasser und ein paar Bananen.








Wir hatten Glück. Nach rund zwanzig Minuten hielt ein Prius und aus dem geöffneten Fenster fragte man uns: „PCT?“. Ich bejahte und daraufhin nahm uns das alte Ehepaar mit nach Bishop. Der Mann am Steuer wanderte bereits selber den PCT vor ein paar Jahren und hörte auf den Trailnamen: „Medicine Man“. Beide waren wirklich sehr nett zu uns. Wir unterhielten uns über alles Mögliche und kurz vor Bishop gab uns die alte Dame jedem einen zwanzig Dollarschein in die Hand. Ich war sprachlos – erst nahmen sie uns mit und dann das? Mein Glaube an die Menschheit war wieder hergestellt.

Sie ließen uns an dem sogenannten „Hostel California“ aussteigen, einer sehr hikerfreundlichen Unterkunft. Als Abschied spielte uns Medicine Man ein Stück auf seiner native american flute vor (Flöte nach der Machart amerikanischer Ureinwohner). Es klang sehr idyllisch und rein. Dann verabschiedeten wir uns und machten ein Foto.

Im THC (The Hostel California) waren schon eine Menge anderer Wanderer und hatten eine schöne Zeit zusammen. Ich buchte direkt zwei Nächte, da ich unbedingt einen ganzen Tag frei machen wollte. Die letzten Tage waren anstrengend gewesen. Es gab keine freien Einzelzimmer mehr und so landete ich in einem Zimmer mit insgesamt sechs Betten. In der Nacht schnarchte vor allem Trouble am lautesten und hielt mich etwas wach. Aber nicht lang, denn ich döste schnell in einen tiefen Schlaf.