Tag 69

Manchmal häufen sich bestimmte Ereignisse alle an einem einzigen Tag zusammen, während sonst wochenlang alles gut verläuft. Doch seht selbst.

Heute war Daves Geburtstag. Er wurde 34 Jahre alt, ganze vierzehn Jahre älter als meine Wenigkeit. Zero war im Übrigen 31. Ich glaube, dass das Durchschnittsalter auf dem Trail um die dreißig Jahre beträgt. Mit dem Gratulieren wartete ich (ausversehen) bis zum Vormittag, dafür bekam er aber eine kräftige Männerumarmung! 🙂

Da die Fähre erst gegen neun Uhr morgens ablegte, frühstückten wir noch etwas, bevor es losging. Ich bekam einen riesigen veganen Burrito gefüllt mit, ja… wieder Chili und Bratkartoffeln. Die Auswahl war eben alles andere als großartig für pflanzlich Orientierte.

Bevor die Fähre ablegte, hatte ich beinahe meine Powerbank und mein GPS vergessen, beide Geräte waren noch an der Steckdose. Ich rannte nochmal zurück, um sie zu holen. Als wir dann endlich am anderen Ufer waren, konnte es losgehen. Der Silver Pass lag vor uns, es führte ein recht langer Weg nach oben. Während wir höher und höher kamen, verschlechterte das Wetter sich zusehends. Die anfängliche Hitze wurde nun durch eine dicke Wand aus Wolken abgeschirmt. Darüber hätte man sich freuen können, doch als der erste Donner knallte, bekam ich es mit der Angst zu tun.

Die Dunkelheit zog über uns und legte sich wie ein Schleier auf das Land. Ich musste etwas Wasser sterilisieren, da trennten sich Zero und Dave für eine Weile von mir. Jedoch wünschte ich mir im Nachhinein, dass es anders gekommen wäre. Denn als ich an den Silver Creek kam, ein kleiner aber reißender Fluss, traf ich eine fatale Entscheidung. Ich versuchte über große Steine auf die andere Seite zu springen, ohne dabei nass zu werden. Doch es kam alles anders. Als ich mich auf einem Stein gerade umdrehen wollte, (ich entschied, dass der nächste Stein zu weit weg war) rutschte ich ab und landete komplett in der Strömung. Auf einmal reichte mir das kalte Wasser bis zum Bauch. Ich hastete ans Ufer zurück und konnte mich gerade so aus dem Wasser ziehen. Ich triefte zwar vor Nässe, körperlich ging es mir ansonsten gut. Meine Kamera wurde jedoch komplett nass. Ich holte so schnell wie möglich die Batterie und die SD Karte heraus und packte alles in einen Beutel mit Reis. Ich hatte die Hoffnung, dass dieser die Feuchtigkeit aus dem Gerät ziehen könnte.

Unterdessen begann es leicht zu nieseln. Ich wollte aufgrund des heranziehenden Gewitters schon anhalten, da sah ich plötzlich die Zelte von Zero und Dave. Ich gesellte mich daraufhin zu ihnen. Mir war es einfach zu gefährlich weiterzumachen, denn mit einem nahenden Gewitter war in dieser Höhe nicht zu spaßen. Als ich frustriert und nass in meinem Zelt saß, krachte und schepperte es draußen wieder und wieder. Ich hatte das Gefühl, dass das Unwetter näher kam.

Nach etwa zwei, vielleicht auch drei Stunden war es überstanden. Wir packten unsere Sachen wieder ein und marschierten weiter. Dave ging voran und wartete an einem Wasserfall. Als ich über ein paar Steine auf das andere trockene Ufer lief, verlor ich einen meiner Treckingstöcke aus den Händen. Dieser schwamm natürlich mit der Strömung flussabwärts und verschwand spurlos. Das Bild unten entstand etwa drei Sekunden zuvor. Jedenfalls suchte ich mit meinem Blick den Bereich weiter unten ab und sah tatsächlich etwas. Dave ging unaufgefordert nachsehen und fand zwei Treckingstöcke, keiner davon gehörte mir. Das war sogar irgendwie witzig. Ich nahm mir den leichteren der Beiden, den anderen ließ ich an eine Felswand gelehnt zurück. Der neue Stock war aus Karbon gefertigt und hatte in etwa das gleiche Gewicht. Glück im Unglück.

Der restliche Marsch war nicht mehr so anstrengend. Der Weg führte nun gemächlich den Pass hinauf. Die Landschaft hinter uns wirkte richtig dramatisch. Die dunklen Wolken und die Berge erzeugten diesen Eindruck. Dave hatte versprochen zu seinem Geburtstag oben auf dem Pass einen Handstand zu versuchen und dieses Versprechen hielt er auch. Nach etwa zehn kläglichen Versuchen schaffte er einen, wenn auch nur ganz kurz. Trotzdem war ich beeindruckt, ich hätte mich das nicht getraut, wenn ich nicht gewusst hätte, wie man ordentlich fällt.

Fotos konnte ich fürs erste nur noch mit meiner Handykamera machen. Ich war froh, dass Dave auch Bilder machte, die er mir freundlicherweise für meinen Blog zur Verfügung stellte. Danke dir! 🙂

Wir zelteten etwas unterhalb des Passes an einem wirklich schönen Bergsee, der klares Wasser enthielt. Trotz der Schönheit dieser Umgebung, die nur noch durch die abendliche rote Sonne aufgewertet wurde, war ich immernoch leicht frustriert. Es war einfach ein anstrengender und ereignisreicher Tag gewesen. Am meisten bedauerte ich meine Kamera, war ich doch jeden Tag glücklich, dass ich sie hatte. Ich nahm mir vor, sie nach besten Kräften zu reparieren, sofern ich dazu in der Lage wäre.

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