Tag 75

Bevor es weitergehen konnte, mussten wir noch einige Kleinigkeiten an der Poststelle erledigen. Ich habe mich unterdessen mit einigen PCT Wanderern unterhalten, die sich alle da versammelten. Es war interessant einige neue Leute kennen zu lernen und deren Geschichten zu hören. Als wir dann endlich aufbrechen konnten, war es schon Vormittag. Wir gingen die Straße in Richtung Trail zurück. Vor uns erhob sich ein interessantes Felsmassiv, dass ich merkwürdigerweise bei meiner Ankunft total übersehen hatte. Darüber haben wir uns halb totgelacht, denn den Lembert Dome konnte man eigentlich gar nicht übersehen. Wir bogen links in eine Schotterpiste ein und folgten ihr für eine Weile.

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Dann trafen wir auf etwas Überraschendes: die Parsons Memorial Lodge, welche 1915 erbaut wurde und fast gänzlich aus massivem Stein besteht. Direkt davor befand sich aber die eigentliche Attraktion. Aus ein paar Löchern im Boden sprudelte munter Wasser heraus. Es sind die Soda Springs, also eine kohlensäurehaltige Mineralwasserquelle. Ich kostete etwas davon und ja… es war nicht das leckerste Wasser bis jetzt. Es schmeckte etwas seltsam, daher beließ ich es bei einem vorsichtigen Kosten.

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Die Natur des Yosemite National Parks war wirklich etwas besonderes. Die glatten und nackten Berge erhoben sich wie steinerne Kathedralen aus den Wäldern. Die schönen Flüsse und die atemberaubenden Wasserfälle waren allerdings mein Highlight des Tages. Vor einem der Fälle blieben Dave und ich völlig fasziniert stehen. Die Wassermassen krachten mit einer ungeheuren Energie in die Tiefe und erzeugten Gischt und Wirbel. Ein feiner Nebel perlte auf uns und unsere Gesichter. Ich war völlig absorbiert von dieser Kraft. Ein Geschenk der Natur.

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WASSERFALL

Dann lernten wir eine hübsche junge Frau kennen, welche ich zunächst für eine Schwedin oder Niederländerin gehalten habe. Wie sich herausstellte, war Ronja aus Deutschland. Sie schloss sich uns an und ich unterhielt mich etwas mit ihr. Der Rucksack ließ zwar darauf schließen, dass sie ein Fernwanderin hätte sein können, doch sie meinte, sie wäre nur auf der Durchreise und machte einen zwei oder dreitägigen Ausflug. Wir quatschten dann auch auf deutsch, was für mich schon wieder ungewohnt war nach so einer langen Zeit unter Amerikanern.

RONJA

Mir fielen diese seltsamen schwarzen Teile auf ihrem Rucksack auf. Wie sie mir erklärte waren das Instrumente für eine Feuershow. Sie würde diese auch auf das Burning Man Festival mitnehmen. Als wir zu dritt eine Pause machten, musste ich mal ihren Rucksack anheben. Ich konnte es nicht fassen. So schwer wie das Ding war, hätten da locker vier oder fünf große Steine drin sein können. Angeblich hätte sie auch ein Drei-Personenzelt eingepackt und ich musste etwas lachen. Naja, kein Wunder also. So wie wir musste sie sich auch nicht auf das Wandern vorbereiten, wenn sie nur hier und da ein paar Tage in die Natur gehen wollte. Wir gingen es heute sehr entspannt an. Es tat so gut einmal nicht diesen Druck aufkommen zu lassen, den ich sonst so oft verspürt hatte. Auf den wunderschönen weiten Wiesen lagen hier und da Felsen herum, als hätte sie jemand hingelegt und vergessen abzuholen. Daran konnten nur die Gletscher der letzten Eiszeit schuld gehabt haben, oder lebten Riesen in den dichten Wäldern 😀 ?

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Eine Wasserschlange kroch durch die feuchte Vegetation. Sie war schwarz mit gelben Streifen – ein toller Kontrast.

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Der Wanderweg führte uns wieder in den Wald hinein. Wir machten Rast um Harz von Bäumen zu sammeln und an diesem klaren Fluss zu trinken. Ronja hatte danach richtig klebrige Hände, die sie nur schwer wieder sauber bekommen hat. 🙂

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Dave schaffte noch vor mir (na hör mal! ^^) seine 1000 Meilen. Da er ein Highschool Lehrer ist, stückelt er den PCT in kleine Abschnitte und wandert jedes Jahr im Sommer ein weiteres Stück. Trotzdem freute ich mich für ihn und wir feierten das Ganze, indem wir genau an dem Ort unser Lager aufschlugen. Wir stellten alle unsere Zelte auf und machten ein Feuer, welches wir mit dem Harz der Bäume angezündet haben. Das hatte ich auch schon lang nicht mehr und es war wieder richtig gut sich zu wärmen und dabei in die glühenden Kohlen zu schauen. Ab und an kam ein Murmeltier vorbei und schaute uns interessiert zu. Bald bemerkten wir, dass es eine kleine Familie war. Der Kleine war besonders niedlich.

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Wir aßen unser Abendessen und erzählten Ronja unsere vielen Abenteuer und wo uns die Reise noch hin verschlagen würde. Als es langsam finster wurde, ging Dave schlafen, doch wir lagen noch am Feuer und betrachteten das Sternenmeer, dass sich über uns auftat.

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