Beim Frühstücken schaute das Murmeltier noch einmal vorbei, vermutlich wurde es durch den Geruch unseres Essens angezogen. Sein gestreiftes Fell sah echt plüschig aus, aber zum Streicheln war es natürlich viel zu scheu. Als es so langsam wieder warm wurde, packten wir unsere Sachen zusammen und verabschiedeten uns von Ronja. Sie wollte zurückgehen und die nächste Nacht an einem bestimmten See verbringen. Wir umarmten uns zum Abschied und gingen getrennte Wege.

Meine Kamera schien sich dazu entschieden zu haben wenigstens vorübergehend zu funktionieren. Ab und zu gingen ein paar Tasten nicht mehr, doch ich konnte noch Fotos machen. Ich war erleichtert, dass ich nicht mehr nur überflüssigen Ballast mit mir schleppte. Ich spielte schon mit dem Gedanken das Gerät nach Hause zu schicken, doch das würde natürlich ordentlich kosten. Da wir gestern den Tag mehr genossen haben als alles Andere, mussten wir uns heute ordentlich ins Zeug legen.

Der erste Anstieg des Tages fühlte sich so abnormal anstrengend an, dass wir mit dem Keuchen und Husten gar nicht mehr aufhörten. Ein paar Flüche und Verwünschungen später schafften wir es doch noch bis nach oben. Ein Blick auf die Karte verriet uns, dass wir noch nicht einmal einen Pass geschafft hatten. Wir waren beide der Meinung, dass das Unrecht sei, immerhin waren wir schon total alle. Es war zwar erst früher Vormittag, doch wir hatten keine Lust zu warten und aßen schon jetzt unser Mittagessen. Unterwegs zeigten sich ein paar wirklich schöne Seen, in denen tiefblaues klares Wasser lag. Der Wind erzeugte leichte Wellen, was dem Ganzen einen besonderen Touch verlieh.


Wir kamen an einen Fluss, den wir aufgrund einer Teilung zweimal überqueren mussten. Den ersten Teil schafften wir mit links, doch der zweite Abschnitt war etwas tiefer und es gab keine umgefallenen Bäume in der Nähe, die man als Brücke hätte nutzen können. Für mich war die Sache klar. Schuhe und Socken ausziehen, sie mit einem Karabiner am Rucksack befestigen, dann den Fluss durchwaten. Dave hatte jedoch die brillante Idee einfach mit Schuhen über die Steine zu springen. Das ging auch eine Weile lang gut, bis er schließlich vor einer größeren Lücke stand. An der Stelle wäre ich wieder umgedreht, doch Dave hielt sich tapfer und machte einen Riesenschritt über das Wasser. Er endete dann in einer sehr ungünstigen Position. Es sah fast so aus, als ob er Liegestütze über dem Fluss machen wollte. Die Szene amüsierte mich aufs Köstlichste, es sah so komisch aus da konnte ich einfach nicht anders. Mit einem gekonnten Schritt zur Seite rettete er sich auf den gegenüberliegenden Stein, wobei nur einer seiner Schuhe nass wurde. Respekt an dich, mein Guter! 😀


Etwas später trafen wir auf die Zwillinge, denen ich ein paar Tage zuvor schon begegnet bin. Die Beiden hatten anscheinend sehr gute Laune und waren motiviert ihr Vorhaben auch durchzuziehen. 🙂

Die Anstrengungen nahmen kein Ende, nein es wurde sogar noch krasser. Als wir uns dem Benson Pass näherten, wurde der Trail steiler und steiler. Irgendwann musste ich alle hundert Meter anhalten, um neue Kräfte zu sammeln. Meine Oberschenkel brannten wie Feuer, doch ich kämpfte was das Zeug hielt. Der Pass kam in Sichtweite und das gab mir den finalen Ansporn. Wir waren nicht allein, sondern es hatte sich wie aus dem Nichts heraus eine kleine Gruppe aus acht oder neun Leuten gebildet. Oben angekommen ruhten wir uns aus und feierten ein wenig. Es gab eine Menge Auf und Ab heute, daher hatte ich leichte Kopfschmerzen und musste für eine Weile die Augen schließen.

Es hatte sich eine große Blase an meinem rechten Fuß gebildet, die natürlich ordentlich schmerzte. Wir entschieden uns daher nicht noch weiter zu gehen, sondern kampierten an einem schönen See, etwas unterhalb des Passes. Es gab viele Plätze um das Wasser herum, wir entschieden uns für einen mit einer Feuerstelle. Nachdem die Zelte aufgebaut waren sammelten wir Holz. Es gab eine Menge toter Äste, die überall verstreut lagen. Die größten spaltete Dave, indem er sie mit voller Wucht gegen einen Stein donnerte. Dabei flogen Holzsplitter durch die Gegend, die manchmal gefährlich nah an mir vorbeisausten. Wir hatten ein paar Stunden zuvor frische Zwiebeln gefunden, die wir uns jetzt zu unserem Essen brieten. Das Couscous hatte damit noch eine wesentlich würzigere Note. 🙂


Als der Abend Einzug hielt und das Feuer noch brannte, bemerkten wir, dass der See voller Leben war. Manchmal sprang eine Forelle aus dem Wasser und überschlug sich im Flug. Entenfamilien schwammen gemächlich umher, die Eltern voraus. Ein kleines Paradies in der schroffen Natur. Irgendwann kamen Schwärme von Mücken angeflogen und stachen nur so auf uns ein. Fast hätte ich mich schon in der Romantik des Abends verloren…

Mahlzeit!
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