Irgendwie habe ich es, eine Stunde später als geplant, doch noch geschafft in die Gänge zu kommen. Ich war noch ziemlich verpennt, als Zero und ich unsere ersten Meilen machten.

Die erste Tageshälfte bestand hauptsächlich aus einem langen Abstieg. Es ging langsam in eine Art Schlucht hinunter, in der ein großer Fluss tobte. Wir schienen allerdings nicht mehr aus diesem Dschungel hinauszukommen, zumindest glaubte ich bald in dem Meer aus Bäumen ertrinken zu müssen. Nordkalifornien hat wirklich riesengroße und dichte Wälder, nicht enden wollendes Grün.

Ich erreichte unverhofft meinen nächsten großen Meilenstein. Zweitausend Kilometer stand da, geformt aus kleinen Steinchen und umrahmt von Holz. Eine weite Strecke lag bereits hinter mir, und so ganz begreifen konnte ich es selbst nach ein paar Minuten noch nicht. Man bekommt ein ganz neues Gefühl von Entfernungen, wenn man zu Fuß unterwegs ist.


Wir stießen auf den Middlefork Feather River, einen großen Fluss, der sich durch tiefe Schluchten wand und unter einer wunderschönen Brücke brauste. Besagte Brücke überspannte den Feather River in einer Höhe um die dreißig oder gar vierzig Meter. Das war ein wahnsinniges Gefühl, als ich über den Boden aus Holzbrettern lief. Dazwischen konnte man das reißende Wasser sehen.


Wir pausierten hier und aßen zu Mittag. Danach döste ich gegen eine moosige Felswand gelehnt ein. Den Hut hatte ich mir über die Augen gezogen. So verbrachte ich bestimmt eine Dreiviertelstunde. Wie sich später herausstellte, war das eine gute Entscheidung gewesen. Denn als wir uns wieder aufmachten, hatten wir einen wahnsinnig langen Aufstieg vor uns. Zum Glück war der Trail überwiegend im schützenden Schatten der monströsen Bäume versteckt. Die Meilen zogen gefühlt langsamer als sonst an mir vorbei. Und der stetige Anstieg saugte mir die letzte Kraft aus den Muskeln. Doch ich schaffte es bis ganz nach oben.


Es erwartete mich ein Aussichtspunkt, der gleichzeitig als Schlafplatz dienen konnte. Dabei handelte es sich um einen großen Felsvorsprung, der über eine Klippe hinausragte und fantastische Aussichten bot. Ich schaffte es mein Zelt mit dicken, schweren Steinen aufzustellen, da man hier nirgendwo Heringe verankern konnte. Außer mir waren da noch drei weitere Mädels. „Hiker Box“ aus Österreich, „Pigeon“ aus Norwegen und die Dritte stammte aus der Ukraine. Mit mir aus Deutschland waren wir ein echtes multikulturelles Gemisch. Zero (gebürtiger Amerikaner) traf dann auch noch ein. Er baute sein Zelt neben meinem auf. Wir unterhielten uns noch den restlichen Abend mit den Dreien, bevor wir uns in die warmen Schlafsäcke kuschelten. Die Nacht versprach kalt zu werden.
