Die restlichen zweieinhalb Meilen bis zur Spitze verliefen durch einen staubtrockenen Wald. Dass dieser keine Anzeichen von Waldbränden erkennen lies, war schon erstaunlich. Gestern sah ich allerdings viele abgebrannte Bäume auf der anderen Seite einer Schlucht. Also kam das Feuer damals einfach nicht so weit. Zum Glück, denn ich genoss den Schatten und das morgendliche Sonnenlicht, das seitlich durch die Bäume fiel. Kurz vor dem Ende dieses langen Aufstiegs überschritt ich die 1300 Meilen.


Der Trail war gesäumt von violetten und weißen Blumen, die trotz der offensichtlichen Dürre ihr Bestes taten. Ein kleines Wunder für sich. Die Trockenheit, die nach mehr als 650 Meilen Wüste nun wieder zu mir zurückkehrte, frustrierte mich. Der manchmal sehr dichte und düstere Wald tat dabei sein Übriges. An einigen Bäumen waren alte rautenförmige Wegweiser ohne Zeichen angebracht, auf dessen Oberfläche irgendwelche Wanderer Sprüche oder Ähnliches hinterlassen hatten. Manchmal las ich motivierende, manchmal witzige Sachen. Das heiterte meine getrübte Stimmung etwas auf. 🙂

Kurz vor meiner Mittagspause verließ ich plötzlich den Wald für ein, wenn auch nur kurzes, Stück. Und dabei hatte ich wieder echtes Wüstenfeeling. Vor allem war der dunkelgelbe Staub dafür verantwortlich. Als ich dann mein Mittagessen genoss und dabei meine letzten Vorräte so langsam aufbrauchte, spürte ich die aufkommende Hitze wie einen Hammerschlag. Ich musste mich in den Schatten großer Bäume zurückziehen. Da ich etwas Internetverbindung hatte, konnte ich mir ein Hörbuch herunterladen. Meine Pause zog ich deshalb in die Länge.

Nach gut zweieinhalb Stunden ging es weiter. Unterwegs holte mich Honeybuns von hinten ein und wir liefen ein Stück gemeinsam. Er half mir an einer geeigneten Stelle ein Handstandfoto aufzunehmen. Die uns dabei umgebenden dunklen Steingebilde waren mit ziemlicher Sicherheit aus der Lava eines Vulkans geboren worden. Generell hatte ich das Gefühl, dass wir uns mehr und mehr in vulkanisches Gebiet bewegten.

Die restlichen Meilen verliefen etwas entspannter für mich, denn ich konnte wieder jemandem beim Vorlesen zuhören und drohte so weniger in meiner Gedankenflut unterzugehen. Ich erreichte eine potentielle Wasserstelle. Hier führte ein fünfhundert Meter langer Weg hinab zu einem kleinen Bach. Meinen Rucksack ließ ich oben stehen. Als ich mit vier Litern Wasser wieder zurück war, zeltete ich direkt in der Nähe der Kreuzung. Hier waren wir insgesamt zu sechst, man mag es kaum glauben. Honeybuns, zwei Mädels und einer der sein Gehör verloren hatte und sich mittels Zeichensprache oder dem Handy verständigte und schließlich ein Southbounder.

Ich las eine Menge über angeblich mutige Rehe die hier ihr Unwesen treiben sollten. Und tatsächlich kam auch eines vorbei und schnüffelte an meinem Zelt herum. Als es etwas näher zu der Stelle kam, wo ich aß, warf ich ein kleines Stöckchen nach dem Tier, nur um es von meinen Sachen fernzuhalten. Ich landete versehentlich einen Volltreffer, direkt auf den Schädel. Das war zumindest effizient, denn das Reh flüchtete daraufhin. Wie groß ist die Chance, ein umherstreifendes Tier mit einem kleinen Stock am Kopf zu treffen? Nicht sehr hoch. Und obwohl ich normalerweise ein Herz für Tiere habe, fand ich diese Situation auf irgendeine Art belustigend. Jedenfalls kam das Reh nach fünf Minuten schon wieder.
