Dichte Wolkenschleier umhüllten den Wald. Mit zunehmender Entfernung verschluckten sie die Bäume in einer milchigen Schicht, was eine gespenstische Atmosphäre erzeugte. Meine Finger wurden von der morgendlichen Kälte allmählich taub.

Nach ein paar Meilen eröffnete sich mir mit einem Mal ein Ausblick. Die bewaldeten Hänge verloren sich in einer tiefen Schlucht weit unter mir. Aus der dicken Wolkenschicht lösten sich immer wieder Fetzen. Sie verfingen sich in den Bergen, wo sie wie Dampf emporstiegen. Ich beobachtete die Szene noch ein wenig, bevor ich meinen Weg ins Tal fortsetzte. Es fing langsam zu regnen an.

Es goss wie aus Kannen. Das kalte Wasser lief mir allmählich in alle ungeschützten Stellen hinein. Nach nur wenigen Minuten schwamm ich bereits in meinen Schuhen. Jeder Schritt war mir unangenehm. Ich versuchte durchzuhalten, indem ich mich auf meine Atmung konzentrierte. Während ich mir meinen Weg durch den Wald bahnte, streifte ich immer wieder nasse Pflanzen. Alles in Allem eine krasse Erfahrung, die mich mental und physisch an meine Grenzen brachte. Komfortzone ade!

Glücklicherweise erreichte ich gegen Mittag das nächste Etappenziel. Der Snoqualmie Pass begrüßte mich mit viel Asphalt. Ich suchte ein bestimmtes Motel, denn mein Essen war zur Neige gegangen und ich brauchte dringend eine Pause von dem Regen. Ich musste eine ganze Weile suchen.

Schließlich fand ich es und checkte ein. Erleichterung. Einige andere Fernwanderer waren genau wie ich dem Wetter entflohen und hier versammelt. Ich war völlig fertig und gönnte mir als erstes einen Tee. Die wohlige Wärme durchströmte meinen ausgekühlten Körper. Die Gastgeber waren sehr freundlich und zeigten mir alles. Aufgrund der Wetterlage entschied ich mich zwei Nächte zu bleiben. Gegen Abend zog dem Regen noch ein Sturm hinterher. Dieser konnte mir allerdings nichts mehr anhaben. Ich hatte meine Oase gefunden.
