
Sich morgens in der Kälte nasse Schuhe und Socken anzuziehen gehörte nun wahrlich nicht zu meinen liebsten Dingen. Doch mir blieb keine Wahl. Ich wollte schließlich ankommen. Kanada war nicht mehr weit. Mit jedem neues Tag manifestierte sich der Gedanke, dass ich bald nach Hause fliegen würde, stärker in mir. Diesem Gedanken folgte immer ein seltsames Gefühl aus Vorfreude und Wehmut.

Das Terrain forderte mich. Zudem war mir morgens mein Wasser ausgegangen und ich musste die nächsten sechs Meilen trocken überwinden. Bei den ständigen Auf- und Abstiegen keine Leichtigkeit. Ich war heilfroh, als ich endlich vor dem ersten Bergsee stand. Das glasklare Wasser schimmerte in einem wunderschönen Türkis.

Die unzähligen Beerenbüsche leuchteten in einem kräftigen Rot. Tropfen des Morgentaus lagen wie Glasmurmeln auf den winzigen Blättern. Es gab außerdem wieder eine schiere Unzahl an vollreifen Huckleberries. Leider hatte ich kaum genug Zeit zum Pflücken, denn es lagen noch gut vierzig Kilometer Wegstrecke vor mir.

Ab und an fing es zu nieseln an. Mittlerweile hatte ich mich schon ein wenig daran gewöhnt und solange es nicht wie aus vollen Kannen goss, kam ich zurecht. Mir kamen ein paar Männer mit Gewehren entgegen. Ich rümpfte etwas die Nase. Mein Ethos entsprach nicht der Jagd. Meiner Meinung nach waren die Tiere nicht zum Abschießen in dieser unberührten Natur zur Welt gekommen.
Wenig später bin ich fast in so eine Art Laufvogel reingerannt. Das kleine Tier stürzte sich völlig panisch vor meinen Füßen auf den Trail und lief aufgebracht vor mir her. Ich musste wirklich feixen, die Situation war einfach zu komisch. Später fand ich heraus, dass es vermutlich ein Fasanenweibchen war. Ich hoffte, dass die Jäger das Tier nicht erwischt hatten.

Gegen Abend zogen dichte, feuchte Dunstschwaden auf. Wir kampierten an einer etwas geschützten Stelle. Mein Zelt musste ich von innen erst Trockenwischen, bevor ich meinen Schlafsack ausbreiten konnte. Ich hatte langsam wirklich genug von der Nässe. Nur noch sieben Tage, dann würde ich an der Landesgrenze stehen. Der Countdown lief.
