Tag 125

In aller Gemütlichkeit packte ich meine Siebensachen. Ich startete als Letzter. Wozu die Eile? Ich kostete jeden Moment vollends aus. Mein Zelt war noch feucht vom Regen der letzten Nacht. Mit gefühllosen Fingern stopfte ich es in die Tasche und schnürte das Band zu. Bereits nach den ersten Meilen wurden meine Hände aufgrund der Durchblutung rot und ich spürte, wie sich die Wärme bis in die Fingerkuppen ausdehnte. Dichter Nebel umhüllte mich.

Erst gegen Mittag klärte sich meine Sicht. Weite orangefarbene Wiesen wuchsen an den Stellen, wo der Wald sein Ende fand. Ich traf immer wieder auf PCT Wanderer, die in der entgegengesetzten Richtung unterwegs waren. Sie standen bereits am Monument und wanderten aus vielerlei Gründen dreißig Meilen zurück zum Hart’s Pass statt weiter über die kanadische Grenze.

Die Sonne feierte ein kurzes Comeback. Ich genoss ihre wärmenden Strahlen. Immer wieder eröffneten sich mir atemberaubende Aussichten auf wunderschön geformte Täler. Die Wälder erstreckten sich vor mir so weit ich blicken konnte. Diese Natur war einfach unbeschreiblich.

Bereits jetzt freute ich mich auf Vancouver und ordentliches Essen. Es verging kein Tag, an dem ich nicht von der Stadt und dem Finale träumte. Jeder Schritt brachte mich meinem Ziel näher und näher. So langsam begriff ich, dass ich gerade meine letzten Stunden in dieser Wildnis verbrachte. Mittlerweile fühlte ich mich als Teil des Trails und der Gedanke diesen zu verlassen erschien mir fremdartig.

Mein Lager für die Nacht schlug ich auf über zweitausend Metern auf. Ich war allein. Kalte Böen fegten über mich hinweg. Im Übrigen war dies die letzte Nacht in meinem Zelt. Morgen würde ich bereits an der kanadischen Grenze stehen. Ich war so aufgeregt, dass ich Schwierigkeiten hatte einzuschlafen.

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