Tag 38

Völlig unausgeruht und etwas fertig erwachte ich viel zu zeitig aus meinem unruhigen Schlaf. Es gab noch ein paar Dinge in Hiker Heaven zu erledigen, bevor ich raus in die weite, heiße Wüste konnte. Es wurde bereits früh um acht mörderisch warm, also genau das richtige Wetter, um zu starten. 😉

Ich erwartete sehnsüchtigst ein Paket von dem fernen Deutschland. Leider steckt es anscheinend noch im Zoll fest, und das auf unbestimmte Zeit. Eine Trackingnummer ist auch nicht vorhanden. Das Einzige, was ich in dieser Situation noch tun konnte, war einen Nachsendeauftrag zu hinterlassen. Ich würde dann einen Anruf erhalten, wohin ich das Paket geschickt bekommen wollen würde. Also abwarten und hoffen.

Dann war noch das Päckchen nach Hikertown dran. Ich klebte es zu und gab es zum Versand frei.

Was mache ich da denn schon wieder für ein Gesicht? 🙂

Es war schon so heiß draußen, dass ich ernsthaft darüber nachdachte, abends loszugehen. Vielleicht wäre das die vernünftigere Entscheidung gewesen, doch Ehrgeiz und Abenteuerlust schlagen die Vernunft häufig. Also machte ich mich mit Zero auf in die staubige Steppe, in das Inferno schlechthin. Wir folgten einer Straße aus Agua Dulce hinaus. Nach etwa einer Stunde Saunagang mit schwerem Rucksack verpassten wir eine von mehreren Abzweigungen, die uns auf den Trail führen sollte. Also wieder zurück, eine halbe Meile Anstieg. In solchen Situationen ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu behalten, auch wenn das manchmal unter der Hitze schier unmöglich scheint.

Und endlich kam die Natur, um uns mit offenen Armen zu empfangen. Sie hieß uns willkommen in ihrer rauen Umarmung. Die Vegetation veränderte sich in letzter Zeit. Die hohen Sträucher wurden seltener und verkümmerten mehr und mehr zu kleinen Büschen, die die Landschaft sprenkelten. Wenig Schatten, dafür umso mehr Hitze. Ohne den Wind, der ab und zu durch die Täler fegte, wäre ich wirklich fast umgekommen.

Zero hat einen guten Charakter und ist einfühlsam. Wir redeten immer wieder mal über dies und jenes. Als wir in der Mittagssonne einen großen Busch fanden, unter dem genügend Schatten war, machten wir eine kurze Mittagspause. Ich betone: kurz. Nach dem Essen wollte Zero unbedingt weiter, um seine zuvor gebildete Wanderergruppe einzuholen. Ich blieb zurück, verstand das Ganze irgendwie nicht so ganz. Ich dachte, wir hätten einen guten Draht gefunden. Ich ließ ihn ziehen, entschied dann aber etwas später auch schon loszumachen, da ich heute noch nicht sehr weit kam und es schon so spät war. Die Sonne knallte erbarmungslos, als würde sie mir befehligen zu pausieren und auf den späten Nachmittag zu warten. Doch so leicht bin ich nicht unterzukriegen.

Auf der anderen Seite des Berges erwartete mich endlich, endlich Schatten. Ein kleines Wäldchen durchzog die trockene Region. Die Natur hält doch immer ihre kleinen Wunder für uns bereit.

Ich erreichte die nächste Wasserstelle, ein kleines Biotop, in welchem sich Vögel, Bienen und anderes Getier versammelten, um von dem seltenen Wasser zu profitieren. Ab und zu biss mich eine dieser fiesen Bremsen, das störte mich aber nicht weiter. Ich war nur froh endlich Wasser und Schatten gefunden zu haben. In einem nahegelegenen kleinen Pool badete hin und wieder ein Vogel. Der Anblick zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht.

Mit guter Laune und den Flaschen voll Wasser zog ich allein weiter. Die Büsche wurden höher und man kam sich ab und zu wie in einem kleinen grünen Labyrinth vor.

Nach etwa fünfzehn Meilen entschloss ich mich einen Zeltplatz aufzusuchen. Da es in der Nähe keinen geeigneten Platz gab, ging ich abseits des Trails einen Hügel hinauf und fand einen wunderschönen Platz mit Aussicht und sogar, man mag es kaum glauben, Internet. Es war eine herrlich meditative Stille da oben. So ruhig, so entspannt. Die Sonne schickte ihre letzten Strahlen über die Bergkuppen und beleuchtete einen wunderschönen See. Ich fühlte mich Zuhause.

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